Fachbeiträge

Unsere Fachbeiträge sind überwiegend in deutscher Sprache vorhanden.

Die Vereinigten Arabischen Emirate als zukunftsorientierter Standort für Holdinggesellschaften

Die Vereinigten Arabischen Emirate haben sich in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Standort für Holdinggesellschaften entwickelt – insbesondere als Sitz regionaler Headquarters oder von (Zwischen-)Holdings in der MENA-Region. Neben den im internationalen Vergleich unternehmensfreundlichen rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen tragen hierzu vor allem die exzellente Infrastruktur, die hervorragenden Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie eine Reihe jüngerer Reformen bei, etwa die Liberalisierung des Gesellschaftsrechts nach Wegfall des zwingenden Erfordernisses einer emiratischen Mehrheitsbeteiligung an Mainland-LLCs. Der Beitrag stellt die wesentlichen Rahmenbedingungen für Investoren bei der Gründung einer Holdinggesellschaft in den VAE dar und beleuchtet dabei sowohl gesellschaftsrechtliche als auch steuerrechtliche Aspekte.

Das Wirtschaftsrecht der Vereinigten Arabischen Emirate – Ein Land, zwei Rechtssysteme (Teil 1)

Der nachstehende Beitrag, der in zwei Teile unterteilt ist, erläutert das Wirtschaftsrecht der VAE, das aufgrund des Nebeneinanders von Civil Law- und Common Law-basierten Rechts- und Gerichtssystemen als hybrid beschrieben werden kann. Während sich der erste Teil des Beitrags nach einer Einführung zum Wirtschaftsstandort VAE den wirtschaftsrechtlichen Rechtssystemen der VAE widmet, stellt der zweite Teil die Gerichtssysteme der VAE dar und schließt mit einem Ausblick auf mögliche künftige Weiterentwicklungen in den VAE und der weiteren Region.

Evakuierung statt Einsatz: Arbeitgeberpflichten bei der Rückholung entsandter Mitarbeiter in geopolitischen Krisenlagen

Der Ausbruch militärischer Konflikte in der Golfregion – zuletzt der Iran-Krieg am 28.2.2026– stellt entsendende Unternehmen vor eine bislang vielfach unterschätzte Frage: Welche konkreten Pflichten treffen den deutschen Arbeitgeber, wenn im Einsatzstaat eine akute Sicherheitslage entsteht und eine geordnete Evakuierung oder überstürzte Ausreise entsandter Mitarbeiter erforderlich wird? Aufbauend auf einen Beitrag der Autoren in der vorhergehenden Ausgabe der IWRZ zu den allgemeinen Arbeitgeberpflichten bei Auslandseinsätzen widmet sich die vorliegende Darstellung – auch aus Anlass der Aktualität des Iran-Krieges – den spezifischen Handlungspflichten in Krisensituationen: von der Lagebeobachtung und Krisenvorsorge über die Evakuierungspflicht und ihre Grenzen bis hin zu vergütungsrechtlichen Konsequenzen und Haftungsrisiken. Dabei zeigt sich, dass die arbeitsrechtliche Fürsorgepflicht im Krisenfall keine Abschwächung, sondern eine erhebliche Intensivierung erfährt – und Unternehmen ohne eingespielte Krisenprotokolle erheblichen Haftungsrisiken ausgesetzt sind.

Trapped by Tender

Principals in the medical equipment sector — manufacturers and exclusive suppliers whose Gulf distributors hold long-term government supply tenders at fixed prices — face acute margin pressure as Strait of Hormuz disruption and surging polymer and medical-grade raw material costs push freight up 25 to 40 per cent in a single quarter. This article assesses whether UAE contract law permits a principal to reprice or suspend supply, and maps the hardship (Article 224), force majeure (Article 236), and coordinated-variation remedies actually available under the new Civil Transactions Code (Federal Decree-Law No. 25 of 2025).

Employer of Record-Modelle im internationalen Anlagenbau – Regulierungs-Arbitrage, Compliance-Leverage oder rechtliches Minenfeld?

Employer of Record (EoR)-Modelle gewinnen im internationalen Anlagenbau zunehmend an Bedeutung. Engineering-Unternehmen setzen sie grenzüberschreitend ein, um hochspezialisiertes Personal kurzfristig in ausländischen Projektmärkten zu beschäftigen, ohne eigene lokale Strukturen (Repräsentanz, Zweigniederlassung oder Tochtergesellschaft) aufzubauen. Die vermeintliche Einfachheit des Modells täuscht jedoch darüber hinweg, dass je nach Ausgestaltung der Rechtsordnung des Projektstaates erhebliche Compliance-Risiken entstehen können. Der Beitrag analysiert drei zentrale Risikodimensionen: die arbeits(erlaubnis)rechtliche Einordnung von EoR-Arrangements – insbesondere die Abgrenzung zur (häufig erlaubnispflichtigen) Arbeitnehmerüberlassung –, gewerbeerlaubnisrechtliche Anforderungen sowie die steuerliche Betriebsstättenproblematik (Permanent Establishment). Er zeigt auf, unter welchen Bedingungen EoR-Modelle ein rechtlich tragfähiges Instrument darstellen und in welchen Konstellationen alternative Beschäftigungsstrukturen vorzuziehen sind.

Globale Krisen als Stresstest für internationale Lieferketten – rechtliche Handlungsoptionen für Unternehmen im Spannungsfeld von Irankrieg, Energiepreissteigerungen und Halbleiterkrise

Die Kumulation von Irankrieg, Energiepreissteigerungen und Halbleiterkrise stellt internationale Lieferketten seit Anfang 2026 vor erhebliche Belastungsproben. Insbesondere Lieferverträge mit längerer Laufzeit und Festpreisverträge geraten zunehmend unter wirtschaftlichen Druck, während vertragliche Anpassungsmechanismen sich häufig als unzureichend erweisen. Vor diesem Hintergrund untersucht der Beitrag die maßgeblichen vertraglichen und gesetzlichen Handlungsoptionen betroffener Unternehmen – insbesondere Preisanpassungs-, Verhandlungs- und Force-Majeure-Klauseln, die Störung der Geschäftsgrundlage gemäß § 313 BGB sowie Zurückbehaltungs- und Kündigungsrechte. Er beleuchtet zudem strategische Erwägungen zu Dokumentation, Vertragsanalyse und Verhandlungsführung und gibt Unternehmen praxisorientierte Handlungsempfehlungen für die Bewältigung der aktuellen Krisensituation sowie die krisenfeste Gestaltung künftiger Vertragswerke.

Betriebsstättenrisiken und Gestaltungen bei Employer-of-Record-Strukturen

Fachkräftemangel, Digitalisierung, Eintritt in neue Märkte, Expansion ins Ausland – es gibt für Unternehmen viele gute Gründe, über das Modell Employer of Record (EoR) auf Fachkräfte im Ausland zuzugreifen. Dieser Beitrag analysiert die steuerrechtlichen Implikationen von EoR-Strukturen unter besonderer Berücksichtigung der Betriebsstättenbegründung nach dem OECD-MA. Dabei werden sowohl die Risiken der Begründung einer Vertreterbetriebsstätte als auch einer Betriebsstätte durch feste Geschäftseinrichtung systematisch untersucht und Gestaltungsempfehlungen für die Praxis formuliert.

Lieferketten unter Beschuss: Vertriebsrechtliche Risiken und Strategien im Iran-Krieg 2026

Seit dem 28. Februar 2026 sind die arabischen Golfstaaten zur Zielscheibe militärischer Angriffe durch das Nachbarland Iran geworden. Wenngleich die Golfstaaten nicht selbst Partei des Iran-Krieges sind, wurden sie seit Beginn der militärischen Auseinandersetzungen wiederholt Ziele iranischer Angriffe, wobei Intensität und Umfang der Attacken in den einzelnen Staaten erheblich variieren. Infolge der Angriffe wurden zunächst die Lufträume der Vereinigten Arabischen Emirate („VAE"), Katar, Bahrain und Kuwait gesperrt. Dies führte rasch zu Beeinträchtigungen des regionalen und internationalen Flugverkehrs, da insbesondere die Flughäfen Dubai International Airport und der in Doha befindliche Hamad International Airport für den internationalen Passagier- und Warenverkehr äußerst wichtige Logistikdrehkreuze sind. Bereits kurz nach Ausbruch des Konflikts kam es zudem zur faktischen Schließung der Straße von Hormus. In der Folge ist die globale Energieversorgung erheblich beeinträchtigt und internationale Lieferketten werden unterbrochen bzw. nachhaltig gestört mit der Folge gestiegener Rohstoffpreise. Darüber hinaus ist mit einem weltweiten Anstieg der Endverbraucherpreise zu rechnen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie sich die militärischen Angriffshandlungen und deren wirtschaftliche Folgen – insbesondere die Nichtverfügbarkeit von Produkten, Transportverzögerungen sowie Preissteigerungen – auf bestehende Vertriebsverträge auswirken und welche Rechte betroffenen Unternehmen insoweit zustehen.

Substance over form reloaded – Local Content als Substanzprüfung jenseits von § 8 AStG und BEPS

Die internationale Unternehmensstrukturierung wird zunehmend komplexer. Während klassische Substanzanforderungen, wie die deutsche Hinzurechnungsbesteuerung nach § 8 AStG, primär der Verhinderung von Gewinnverlagerungen dienen, etablieren sich parallel Local Content-Anforderungen als eigenständiges regulatorisches Instrument mit industriepolitischer Zielsetzung. Local Content-Anforderungen knüpfen in den erfassten Sektoren (z. B. im Rohstoffsektor oder in der Rüstungswirtschaft) bzw. gegenüber den erfassten Auftraggebern im Ausland (insbesondere staatlichen und staatsnahen Auftraggebern) Marktzugang nicht an steuerliche Compliance, sondern an eine nachzuweisende lokale Wertschöpfung. Der Beitrag gibt einen Überblick über Local Content-Programme, deren internationale Verbreitung und Implementierungsformen und grenzt diese dann von der deutschen Hinzurechnungsbesteuerung ab. Abschließend werden Compliance-Überlegungen und praktische Lösungsmodelle für deutsche Unternehmen vorgestellt.

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