ADGM Court of First Instance, Urteil vom 18.12.2025 – [2025] ADGMCFI 0032, Übernahme von KI-Halluzinationen im Zivilprozess
- RDi
- Dr. Constantin Frank-Fahle, LL.M.
- Marcel Trost, LL.M.
Der Beitrag analysiert eine Entscheidung des ADGM Courts zur Haftung von Rechtsanwälten bei der Verwendung von KI-generierten Inhalten in Schriftsätzen. Ausgangspunkt war ein Fall, in dem eine Kanzlei zahlreiche nicht existierende oder falsche Rechtsprechungszitate in eine Verteidigungsschrift aufgenommen hatte, die mutmaßlich auf sogenannte KI-„Halluzinationen“ zurückgingen. Das Gericht stellte klar, dass Anwälte, die KI für juristische Recherche nutzen, verpflichtet sind, sämtliche Quellen und Entscheidungen eigenständig zu verifizieren. Unter Verweis auf englische und internationale Rechtsprechung entwickelte das Gericht eine spezifische Sorgfaltsdoktrin für den Einsatz von KI in der anwaltlichen Praxis und verhängte „wasted costs“ von rund 282.508 AED gegen die betreffende Kanzlei. Die Entscheidung zeigt, dass unsachgemäße KI-Nutzung erhebliche prozessuale und finanzielle Risiken begründen kann und Kanzleien daher interne KI-Governance- und Verifikationsprozesse implementieren sollten.