Substanz oder Steuervorteil? – Die „Tiger Global“-Entscheidung Indischer Supreme Court, Urteil v. 15.1.2026 – Civil Appeal No. 262, 263 and 264 of 2026
- IWB
- Dr. Constantin Frank-Fahle, LL.M.
- Marcel Trost, LL.M.
- Varun Chablani
Mit seiner Entscheidung vom 15.1.2026 in der Rechtssache Tiger Global International Holdings hat der Oberste Gerichtshof Indiens ein vielbeachtetes Signal zur steuerlichen Legitimität internationaler Unternehmensstrukturen gesetzt. Im Zentrum stand die Frage, ob mauritische Investmentfonds beim Verkauf ihrer Anteile am indischen E-Commerce-Pionier Flipkart an Walmart die Vorteile des indisch-mauritischen Doppelbesteuerungsabkommens in Anspruch nehmen dürfen – oder ob es sich um bloße Conduit-Gesellschaften ohne wirtschaftliche Substanz handelt. Der Oberste Gerichtshof entschied gegen die Investoren und stellte klar, dass Ansässigkeitsbescheinigungen für sich genommen keinen ausreichenden Nachweis darstellen und die allgemeine Anti-Missbrauchsregel selbst Bestandsschutzklauseln durchbrechen kann. Die Entscheidung dürfte weit über Indien hinaus Bedeutung erlangen, weil sie grundlegende Maßstäbe für die Substanzanforderungen bei grenzüberschreitenden Investitionsstrukturen setzt. Betroffen sind insbesondere Investmentfonds und Holdingstrukturen in traditionell steuerfreundlichen Jurisdiktionen wie Mauritius, den Cayman-Inseln, Singapur und Hongkong.


